Nach einer Bauzeit von rund fünf Jahren wurde am 11. August 1899 das Schiffshebewerk Henrichenburg, im Rahmen einer feierlichen Einweihungsfeier, von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht und anschließend der Betrieb aufgenommen. Die Türme des rund 2,5 Millionen Mark teuren Bauwerks werden durch einen preußischen Adler veredelt, der das Wappen der Preußen bereits seit dem Jahre 1701 ziert.
Als weltweit erstes Mehrschwimmer-Schiffshebewerk seiner Art verrichtete die Anlage, zusammen mit einer weiteren Schachtschleuse, bis zum Jahre 1962 respektive 1969 zuverlässig ihren Dienst.
Das am Dortmund-Ems-Kanal gelegene Schiffshebewerk Henrichenburg war integraler Bestandteil des Wasserwegesystems im Ruhrgebiet und ermöglichte einen neuen Beförderungsweg, um die aufstrebende Industrialisierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts und die fortschreitende Expansion im 20. Jahrhundert zu bewerkstelligen.
Aber warum war der Bau eines Schiffshebewerkes in Henrichenburg nötig? Die Erklärung hierfür ist ganz einfach – beim Befahren der Wasserstraße mussten die Schiffe in Henrichenburg einen Höhenunterschied von 14 Metern bewältigen, dass neu errichtete Schiffshebewerk, als „Fahrstuhl für Schiffe“, benötigte hierfür etwa zweieinhalb Minuten.
Wie funktionierte das Schiffshebewerk und warum war das Schiffshebewerk Henrichenburg so revolutionär? Der 68 Meter lange Trog des imposanten Senkrechtschiffshebewerks, lag auf Auftriebs- respektive Schwimmkörpern in mit Wasser gefüllten Zylindern. Das Gesamtgewicht für die zu bewegende Stahlkonstruktion, samt Inhalt, betrug rund 3.050 Tonnen.
Relevant für die Funktionsfähigkeit des Hebewerks war und ist das Prinzip „Auftrieb durch Verdrängung“ das im archimedischen Prinzip beschrieben wird, respektive die Schwimmfähigkeit eines Gegenstandes. Nachdem das Schiffshebewerk Henrichenburg im Jahre 1970 endgültig „in den Ruhestand versetzt wurde“, verfiel das historisch wertvolle Bauwerk zusehends. Neues Leben wurde dem Schiffshebewerk zwischen 1982 und 1992 eingehaucht. Die Betriebstätigkeit wurde zwar nicht wieder aufgenommen, aber das Schiffshebewerk Henrichenburg, samt dem angrenzenden Gelände, wurde zu einem Freizeitareal und Industriemuseum umgewandelt. Heute gilt „unser Schiffshebewerk Henrichenburg“ als ein sehr beliebtes Ausflugsziel und macht Henrichenburg deutschlandweit bekannt.
